Von der Poesie des Einfachen

Hannelore Fehse malt Albhäuser.
‚Einfach schön – ALBHÄUSER‘ nennt sie ihre Ausstellung im Haus des Landkreises Alb-Donau-Kreis.
Nur einfach schön?

Die Bilder erscheinen zunächst einfach, denn Hannelore Fehse beherrscht die Kunst der Reduktion. Reduktion, welche nachvollziehen und begreifen lässt, wie im Weglassen von Unwesentlichem und der Konzentration auf das, was unbedingt gesagt werden muss, Abstraktion entsteht.

Und dann sind die Bilder von Hannelore Fehse auch schön.
Aber nicht im platten Sinn. Sie sind nicht gefällig schön, nicht trivial. Ganz im Gegenteil. Die Schönheit dieser Bilder ist sperrig – spröde. Sie reden von der Kraft der Schlichtheit, von der Poesie des Einfachen. Sie ruhen in sich. Das Miteinander von Form und Farbe zeigt Harmonie in Perfektion. Wodurch aber wird Harmonie in Vollendung erzeugt?

Wabi Sabi nennen es die Japaner. Eine Teetasse erhält erst durch die leichte Unregelmäßigkeit in der Glasur oder durch die Spuren des häufigen Gebrauchs ihre Vollkommenheit. Das Nichtperfekte, die leichte Störung der vordergründigen Harmonie schafft die wahre Ausgewogenheit und damit Schönheit, die anrührt.

Das Werk von Hannelore Fehse ist einfach durch die Reduktion. Es ist schön durch die Brechungen. Und es ist beredt auf eine Weise, die jeder, der diese Region erlebt, begreift.

Die Bauernhäuser der Schwäbischen Alb besitzen nicht die Pracht von niedersächsischen oder oberbayrischen Gehöften. Die Alb war arm und die Menschen wussten Nötiges von Unnötigen zu unterscheiden.

Die Wesenhaftigkeit dieser Region hat Hannelore Fehse mit klarem, analytischem Blick erforscht und sie in ihren Gemälden umgesetzt. Ihre Bilder sind Surrogate, Extrakte, Essenzen, welche das Ureigene dieser Region zum Ausdruck bringen.
Eben: Das Nötigste. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

In einer Zeit, wo es ausschließlich um das MEHR geht, mutet das WENIGER IST MEHR ein bisschen abgegriffen, altbacken und moralinsauer an und doch begreifen wir, wenn es uns begegnet, wie wohltuend es sein kann:
Das WENIGER.

Mit großem poetischen Ernst erzählen die Bilder von der Alb, ihren Menschen und ihren Gehäusen. Sie trumpfen nicht auf, sie geben nicht an, die Älbler können Understatement. Mir zeigat net, was mir hent.

Wie schön das Wenige sein kann, welche Anmut das Karge entwickeln kann, welche Kraft Reduktion, Schlichtheit, Einfachheit und Klarheit bergen kann, hat Hannelore Fehse zutiefst begriffen und in eine bemerkenswerte, einzigartige Sprache umgesetzt:

Hochästhetisch, sehr innerlich, voller Poesie und letztendlich einfach, wie ihre Sujets.

Die erste -und praktisch einzige- Vorraussetzung für einen guten Stil ist, dass man etwas zu sagen hat, schrieb Artur Schopenhauer

Hannelore Fehse hat etwas zu sagen.

Ulrike Böhme, Von der Poesie des Einfachen. In: Hannelore Fehse, Albhäuser, 2012, S 54 f.

 


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