„… ohne dass es auffällt“

Pressekonferenz: Projektstart – Baukultur Schwäbische Alb
Regierungspräsidium Tübingen, 17. Oktober 2012

Sehr verehrter Herr Regierungspräsident Strampfer,
sehr geehrte Damen und Herren!

‚einfach schön – Albhäuser‘  so bezeichne ich meine Arbeiten zur alten Architektur der Schwäbischen Alb und so der Titel meiner letzten Ausstellungen im Landratsamt Ulm und in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Brüssel.

Bei der Vorbereitung zu meinem letzten Katalog fragte mich ein Kunsthistoriker: Sind Sie eine Chronistin? Nein? Dann sind Sie eine Romantikerin!  – Und etwas später die Bemerkung: Sie sollten etwas malen, das unserer Zeit entspricht, etwas Zeitgemäßes. — unsere Zeit ist nicht so glatt wie Ihre Bilder.

Warum male ich diese Häuser, die alte bäuerliche Architektur der Alb?

Meine Bilder verdeutlichen mir, und ich hoffe auch anderen Betrachtern, was mich fasziniert:

Klarheit der Formen, Zweckmäßigkeit, Stimmigkeit, alles hat seinen Platz, eine sinnvolle und maßvolle Ordnung, alles wirkt irgendwie aufgeräumt, gut durchdacht und steht in Bezug zum Leben, zeigt Lebens – und Sinnzusammenhang.

Lässt man sich auf diese Sichtweise ein, wird einem mehr und mehr der hohe Grad an Ästhetik deutlich: Einfach – zeitlos – in sich ruhend – schön.

Geht man der Sache weiter nach wird klar: diese Architektur, diese Häuser, Straßen, Ortschaften spiegeln Geisteshaltung und Kultur ihrer Bewohner: Sie bezeugen eine über Jahrhunderte gewachsene Kultur in einem eigenen spezifischen Kulturraum.

Bin ich eine Chronistin? – mag sein – ja, sicher auch.

Romantikerin? – umgangssprachlich romantisch als weltfremd? – so sehe ich mich nicht. Aber Romantik als Bewegung, die den Menschen ganzheitlich sieht, als Gegenbewegung eines rein rationalen Menschenbildes? Ja, da bin ich dabei: der Mensch ist Geist, Leib und Seele.

Und: ‚Noi, i bi et vo geaschtre‘! , Ich male Zeitgemäßes!! :

1. ‚ Das passt aber gut hier rein‘, sagten viele Gäste zu meinen Bildern in einem denkmalgeschützten Bauhausgebäude, im ‚Haus auf der Alb‘, der Landeszentrale für politische Bildung in Bad Urach. Die Prinzipien der Bauhaus-Architektur als Antwort auf Anforderungen der Moderne theoretisch entwickelt – dieselben Prinzipien in der Architektur der Alb: historisch gewachsen. Ja, das passt!!

2. In einer Zeit der Globalen Welt von immer schneller, immer mehr, immer weiter ist es immer notwendiger für den einzelnen, sich auf das für ihn sinnvolle, das für ihn angemessene Maß zu besinnen.

3. In einer Zeit des notwendigen Zusammenwachsens einzelner Nationen  -sprich: EU – gewinnt anstelle der Nation die Region an Bedeutung, habe ich in Brüssel gelernt.

Was macht eine Region aus? Was bedeutet: Stärkung der Region?

Zurück zur Schwäbischen Alb. Und zum Thema Architektur.

Altes – ‚das alte Glomp‘ -wird weggerissen und selten kommt was besseres nach. Mit Neubauten wird oft massiv ins alte Ortsbild eingegriffen, der alte Ortskern nachhaltig gestört. Was da zum Teil passiert, ist haarsträubend.

Ist das zwangsläufig der Preis der Moderne? Geht das gar nicht: ‚Mit der Zeit gehen‘ und zugleich , die Kirche im Dorf lassen‘?

Doch, es geht:

Einsingen: ein Ort südlich Ulm, 2500 Einwohner. Etliche große alte Bauernhäuser entlang der Durchgangsstraße.

Mitten im Ortskern steht ein hochmodernes Rathaus , Passivbauweise, ein Null-Energie-Haus. Moderner geht’s nicht. Und: es passt sich perfekt in das gewachsene Ortsbild ein!! Wie kann das sein?  Der Ortsvorsteher, Herr Stadler, erklärt mir: ‚Das neue Rathaus ist fast identisch mit dem alten Rathaus, von der Kubatur her‘   diese Kubatur wirkt alt und neu (vgl. Bauhaus!) zugleich. Ich habe diesen Neubau gar nicht gleich als solchen wahrgenommen. Und ein Neubauviertel hat der Ort auch: sehenswert!

Was ist dann andernorts des Pudels Kern?

Im Kapitel ‚Fachwerkhaus‘ in dem Buch mit dem Titel‘ Die deutsche Seele‘ von Thea Dorn und Richard Wagner heißt es: „Man kann Fachwerkhaus sagen und Tradition meinen, deutsche Tradition, ohne es ausdrücklich sagen zu müssen.“ … und    „….so, wie man Öko sagt und Heimat meint, ohne dass es einem auffällt“ (S. 117).

Trauen wir uns, treten wir ein für die Individualität und Identität einer alten Kulturlandschaft und bewahren wir den Dörfern ihre Seele.

Albhäuser – einfach – schön.  — Sehen Sie selbst!!

 

Vielen Dank.
Hannelore Fehse

©Hannelore Fehse 2012

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